Halluzinationen und Wahnvorstellungen – woran erkennt man sie und wann sind sie gefährlich?

Halluzinationen und Wahnvorstellungen – woran erkennt man sie und wann sind sie gefährlich?

Mit zunehmendem Alter verändert sich unser gesamter Körper. Jedes seiner Teile durchläuft einen natürlichen Alterungsprozess. Veränderungen des Körpers wirken sich auch auf unser Gehirn aus, dessen Funktionsweise sich sukzessive ändert. Manchmal verändert sich durch bestimmte Störungen oder Krankheiten auch die Funktionsweise unserer Psyche.  

Das ältere Gehirn stellt nicht mehr so ​​viele Verbindungen zwischen Neuronen her wie früher. Darüber hinaus sterben diejenigen, die existieren, allmählich ab. Wird bei dem zu Betreuenden zusätzlich Demenz diagnostiziert, kann die Summe dieser Phänomene zum Auftreten von Alterswahn und Halluzinationen führen. 

Halluzinationen und Wahnvorstellungen - was ist das?

Halluzinationen gehören zur Gruppe der Wahrnehmungsstörungen. Menschen, die sie erleben, erleben falsche Empfindungen. Diese Halluzinationen treten ohne ersichtlichen Grund auf, und der Patient ist von der Wahrheit ihrer Existenz vollkommen überzeugt.

Nach den Sinnen werden Halluzinationen unterteilt in: 

  • visuell
  • auditiv
  • olfaktorisch
  • taktil 
  • gustatorisch 

Ein Senior, der mit visuellen Halluzinationen zu kämpfen hat, kann Menschen sehen, die nicht da sind. Bei akustischen Halluzinationen hört er möglicherweise Musik, die es im Moment nicht gibt.

Olfaktorische Halluzinationen führen zu einem falschen Glauben, dass Gerüche existieren – oft solche einer unangenehmen Sorte. Ähnlich ist es bei Geschmackshalluzinationen – manchmal berichten Patienten von einem Metallgeschmack im Mund oder von verbranntem Papier

Bei taktilen Halluzinationen kann der Patient ungewöhnliche körperliche Empfindungen wie Wellen oder Ströme berichten, die durch seinen Körper fließen. Es kann sich auch anfühlen, als würde die Person von jemandem oder etwas berührt werden.

Hervorzuheben ist hier auch, dass gesunde Menschen jeden Alters eine Vielzahl von Halluzinationen erleben, vor denen Sie sich nicht fürchten sollten. Wir erleben sie beim Einschlafen (hypnagoge Halluzinationen) und direkt nach dem Aufwachen (hypnopompe Halluzinationen)

Wahnvorstellungen hingegen gehören zur Gruppe der Denkinhaltsstörungen und sind das Ergebnis einer Fehlinterpretation der den Patienten umgebenden Realität. Die Person, die sie erlebt, ist so zuversichtlich in ihren Überzeugungen, dass sie nicht einmal durch den Einfluss von Argumenten aus der Umwelt, die ihre Nichtexistenz beweisen überzeugt werden kann. ­­­ 

Darunter fallen unter anderem folgende Wahnvorstellungen:

  • bizarre Wahnvorstellungen 
  • Verfolgungswahn (der Patient kann beispielsweise davon überzeugt sein, dass er verfolgt wird),
  • alles auf sich beziehen (z. B. der Glaube, dass alle ständig hinter ihrem Rücken über sie reden),
  • somatisch (z. B. hypochondrischer Wahn, der sich auf die Überzeugung bezieht, dass der Patient eine nicht vorhandene Krankheit hat). 

Kommunikation mit einer Person mit Wahnvorstellungen und Halluzinationen

Die Grundregel bei der Kommunikation mit einer Person, die an Halluzinationen und Wahnvorstellungen leidet, besteht darin, nicht zu versuchen, ihr zu erklären, dass das, was Sie sehen / hören, erleben, nicht wahr ist.

Wir haben das Recht, dem zu Betreuenden in diesem Punkt zu widersprechen, aber sie müssen wissen, dass wir mit ihrem Glaubenssystem in Ordnung sind. 

Darüber hinaus sollten wir bei der Kommunikation mit einer kranken Person auf folgende Aspekte achten:

  • Akzeptanz,
  • aktives Zuhören,
  • Glaubwürdigkeit,
  • Gewährleistung eines Sicherheitsgefühls,
  • Empfindlichkeit,
  • Zusammenarbeit. 

Kann das Problem der Wahnvorstellungen und Halluzinationen eine Bedrohung darstellen?

Die Symptome von Wahrnehmungs- und Denkstörungen sollten niemals unterschätzt werden. Sie mögen zunächst harmlos erscheinen, aber ohne medizinische Versorgung können sie fortschreiten und eine Bedrohung für den Patienten und seine Umgebung darstellen. Warum?

Kognitive Beeinträchtigungen (Gedächtnisstörungen) zusammen mit Wahnvorstellungen können bei älteren Menschen zu unbegründeten Anschuldigungen gegen Angehörige oder Betreuer (z. B. wegen Diebstahls) führen

Eine Person, die an solchen Störungen leidet, kann in der Überzeugung leben, dass die Person, die sich täglich um sie kümmert, sie vergiftet, ihr folgt, sie belauscht und etwas gegen sie plant. Die psychotischen Symptome des Patienten können zunehmen und so zu einem starken Bedrohungsgefühl und Aggressionserscheinungen führen.   

Stimmungsschwankungen treten in solchen Fällen ebenfalls häufig auf. Es entsteht ein Gefühl der Angst, ein Mangel am Sinn des Lebens und einen Verlust aktueller Interessen. All diese Symptome führen oft zu Suizidgedanken.

Sind Denk- und Wahrnehmungsstörungen heilbar?

Leider gibt es kein Wundermittel, das diese Krankheit vollständig beseitigen würde. Es gibt jedoch Methoden, die, früh eingeführt, die Leistungsfähigkeit des Geistes im Alter erheblich beeinflussen können.

Tägliche geistige und körperliche Bewegung hilft, den gesamten Körper fit zu halten. Sie sind auch im sogenannten „Herbst des Lebens“ von großer Bedeutung – sie sollten nicht gestoppt werden, solange der zu Betreuende dazu in der Lage ist.

Wie kann die Fitness eines Seniors unterstützt werden? Durch alle Aktivitäten, die das Gedächtnis trainieren und zum Nachdenken zwingen, z.B. Kreuzworträtsel lösen, Bücher lesen (wenn ihm das Lesen schwer fällt, dann lesen wir ihm vor). Wenn er gerne Schach oder Dame spielt, sollten wir ihm eine solide Dosis dieser Unterhaltung bieten. Es ist absolut notwendig, Ihren Geist auf alle möglichen Arten zu trainieren.

Was ist, wenn die Verhaltensstörung so schwerwiegend ist, dass sie den Alltag älterer Menschen beeinträchtigt? Ein Arzt kann dann eine medikamentöse Behandlung einleiten, um die Symptome zu lindern.

Wir sollten auch bedenken, dass in dieser Situation der engste Familien- und Freundeskreis dem Senior viel Halt geben kann, was sich positiv auf sein Wohlbefinden auswirkt

Betreuungskräfte, denken Sie an folgendes:  

Obwohl die Symptome im Zusammenhang mit den besprochenen Störungen für die Pflegekraft unangenehm sein können, sollte man sich bewusst sein, dass die Krankheit durch den zu Betreuenden spricht.

Nehmen Sie die Worte, die Sie vom Senior hören, nicht persönlich. Es lohnt sich auch nicht, in Diskussionen einzusteigen und unlogisches Verhalten zu erklären. Versuchen Sie, den Senior zu beruhigen, indem Sie Verständnis für seine Gefühle zeigen, somit werden Sie eine viel bessere Wirkung erzielen. Wenn möglich, dann lohnt es sich, in Situationen, in denen die Symptome stärker werden, die ältere Person abzulenken, indem man ihnen zum Beispiel einen Spaziergang anbietet.

Es ist sehr wichtig, in dieser Situation für sich selbst als Betreuungskraft zu sorgen. Richtige Erholung und Entspannung ist unerlässlich!